Kinderwunsch über 40

Was schätzen Sie: Ab welchem Alter wird es für Frauen von der Fruchtbarkeit her schwieriger schwanger zu werden? Bei dieser 2007 durchgeführten Umfrage schätzten mehr als 50 % der Befragten den Zeitpunkt der nachlassenden Chance auf 40 Jahre und älter.

Das ist leider nicht richtig!

An dieser Stelle ist es unsere Aufgabe, Sie wahrheitsgetreu zu informieren und zu beraten, gleichwohl wir wissen, dass wir Sie konfrontieren und Ihnen vielleicht auch Kummer bereiten. Es ist ein schwieriger Grat, auf der einen Seite medizinische Fakten und Erfolgsaussichten ehrlich und offen darzulegen und auf der anderen Seite Sie an der richtigen Stelle abzuholen und emotional zu begleiten. Aber genau das gelingt uns und ist möglich.

Die Fruchtbarkeit von Frauen ist zwischen 20 und 30 Jahren am besten. Die natürliche Chance schwanger zu werden sinkt bereits ab dem 35. Lebensjahr.

Quantitativer und qualitativer Rückgang
der Fertilität der Frau im Alter

ludwig_hahn

Ludwig,Hahn: Frauenarzt 05/2008, S. 400 –
nach de Bruin und te Velde 2004

Die Anzahl der reifenden Eizellen im Eierstock verringert sich. Ebenso ist die natürliche Zellalterung eine Ursache, die auch die Eizellen betrifft. Im Gegensatz zu Spermien, die regelmäßig neu gebildet werden, sind die Eizellen schon seit der Embryonalzeit in uns Frauen vorhanden und werden mit uns älter. Trifft also ein Spermium auf eine ältere Eizelle, kommt es sehr häufig zu einer Fehlbefruchtung, der Embryo nistet sich dann nicht ein. Ebenso entwickeln sich Embryonen im Laufe der Schwangerschaft nicht normal weiter, daraus resultieren eine hohe Abortrate und eine niedrige Geburtenrate.

Auch im Rahmen einer Kinderwunschtherapie sind die o.g. Fakten nicht aufzufangen, sodass das reproduktionsmedizinische Angebot ab dem 40. Lebensjahr deutlich schlechter wird. Aufgrund der Ergebnisqualität bevorzugen wir ab dem 38./ 39. Lebensjahr die Durchführung der künstlichen Befruchtung außerhalb des Körpers (IVF-, ICSI-Therapie).

Wichtig aber dabei ist, dass das biologische Alter einer jeden Patientin individuell ist und es durchaus unter Einbeziehung der Tatsachen Hoffnung gibt. Die Prognose auf einen Schwangerschaftseintritt kann mit bestimmten Untersuchungen besser eingeschätzt werden.

Über eine Blutuntersuchung werden am 2. bis 4. Zyklustag FSH (follikelstimulierendes Hormon), Estradiol und AMH (Anti-Müller-Hormon) bestimmt. Ebenso wird ein vaginaler Ultraschall der Eierstöcke vorgenommen, bei dem die Zahl der im Eierstock erkennbaren Eibläschen (Antralfollikel) ermittelt wird. Beides zusammen gibt einen Überblick über Ihre individuelle Fruchtbarkeit (sog. Ferticheck).

Das, was Sie und uns interessiert, ist die Geburtenrate pro Zyklus ». Eine Schwangerschaftsrate, die anschließend noch stark durch eine hohe Abortrate geschmälert wird, ist an dieser Stelle nicht das, was wir Ihnen kommunizieren möchten. Das würde falsche Hoffnungen erwecken. Wir sprechen von Geburtenraten und diese sind in unserer Praxis sehr gut!

Wenn wir die Geburtenraten pro Zyklus aus dem Deutschen IVF-Register mit den unsrigen vergleichen, so können wir Ihnen Mut machen: Liegt diese bei Frauen zwischen 40 und 45 Jahren in Deutschland (2000–2008) bei 6,21 %, beträgt die unsrige in Gelsenkirchen bei 8,4 %.